Freitag, 27. November 2015

Artenschutzprojekt - Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt

BfN Pressemitteilung

Berlin/Bonn, 27. November 2015: Ein groß angelegtes Artenschutzprojekt
zur Stabilisierung der Bestände und zur Wiederherstellung der
Fortpflanzungsfähigkeit der Flussperlmuschel und der Großen Malermuschel
hat begonnen. Es umfasst auf der Basis von aktuellen
Forschungsergebnissen sowohl die Nachzucht und die Wiederansiedlung von
Jungmuscheln als auch biotopverbessernde Maßnahmen. Das Verbundvorhaben
wird gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und
dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
(BMUB) mit insgesamt rund 5,3 Millionen Euro gefördert. Das Bundesamt für
Naturschutz (BfN) begleitet das Projekt "ArKoNaVera" fachlich.

Auch wenn ihr Name anderes vermuten lässt: Flussperlmuscheln bilden nur
sehr selten Perlen aus. Sie benötigen hierfür viele Jahre - häufig
Jahrzehnte. Großmuscheln, zu denen Flussperl- und Malermuschel gehören,
waren in den heimischen Fließ- und Stehgewässern bis zu Beginn des 19.
Jahrhunderts noch ausgesprochen häufig anzutreffen. Flussperlmuschel und
Malermuschel gehören sowohl deutschlandweit als auch weltweit zu den
stark gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Arten. Zurückzuführen ist
der Rückgang insbesondere auf wasserbauliche Maßnahmen, den Eintrag von
Feinschlamm in die Gewässer und die allgemeine Verschlechterung der
Lebensraum- und Gewässerqualität.

"Weil in Deutschland ein Großteil der mitteleuropäischen Vorkommen der
beiden Muschelarten lebt, haben wir eine besonders hohe Verantwortung
diese Arten zu schützen", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
"Beide Muschelarten reagieren als Filtrierer auf Veränderungen ihres
Lebensraumes, wie Sedimenteinträge ins Wasser, besonders sensibel. Ihr
Zustand lässt damit Rückschlüsse auf die Intaktheit von
Gewässerökosystemen zu und ihr Schutz ist gleichzeitig auch
Gewässerschutz. Zur Verbesserung der Lebensräume muss eine Reduzierung
der Sedimenteinträge erfolgen. Maßgeblich ist hierfür auch die
Einbeziehung der Landwirtschaft", erklärte Prof. Jessel.

Das Projekt "ArKoNaVera" soll unter anderem Erkenntnisse darüber liefern,
an welchen Orten und mit welchen Maßnahmen die Flussperlmuscheln am
wirksamsten erhalten werden können. Eine zentrale Rolle in der Forschung
nimmt dabei auch der Einfluss des Klimawandels ein. Während der
Projektlaufzeit von sechs Jahren entwickeln die Projektpartner außerdem
Instrumente, über die potenziell geeignete Habitate für die
Wiederansiedlung der Muscheln identifiziert werden sollen. Zudem wird
untersucht, welche Maßnahmen zur Erhaltung und Renaturierung ihrer
Lebensräume am besten geeignet sind. Spezielle Methoden der Muschelzucht
sollen zu stabilen Populationen führen. Die Schutzmaßnahmen werden sich
zunächst auf Niederbayern und Sachsen beschränken - das Projekt mündet
jedoch langfristig in ein überregional anwendbares Artenschutzkonzept.

Das Muschelschutzprojekt wäre ohne die enge Zusammenarbeit von Forschern
und Umsetzungspartnern nicht denkbar. Koordiniert wird "ArKoNaVera" von
der Technischen Universität Dresden. Weitere Forschungspartner sind das
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, die Technische Universität München
und das Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa. Umgesetzt wird das
Projekt durch eine eigens gebildete Trägergemeinschaft zur Rettung der
Flussperlmuschel in Niederbayern, den Naturschutzfonds der sächsischen
Landesstiftung Natur und Umwelt, die Untere Naturschutzbehörde des
Vogtlandkreises und die Gesellschaft für Wasserwirtschaft,
Gewässerökologie und Umweltplanung in Sachsen. "Forschung und Umsetzung
sind in diesem Projekt vorbildlich miteinander verknüpft. Indem
Expertenwissen gebündelt wird, entstehen Maßnahmen für die Praxis. Wir
wollen so erreichen, dass die Flussperlmuschel wieder in unsere
heimischen Gewässer zurückkehrt und gleichzeitig die biologische Vielfalt
in Deutschland stärken", sagte die BfN-Präsidentin.

Hintergrund
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)
wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt.
Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich
repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders
beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei,
den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und
mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen
dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der
biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards
hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation
tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische
Vielfalt zu stärken.

Weitere Informationen zum Bundesprogramm:
www.biologischevielfalt.de/bundesprogramm.html

Die Förderinitiative F&U-NBS

Möglich wird das Projekt "ArKoNaVera" - Artenschutzkonzept für die beiden
nationalen Verantwortungsarten Flussperlmuschel und Malermuschel - durch
die gemeinsame Förderinitiative "Forschung zur Umsetzung der Nationalen
Biodiversitätsstrategie (F&U-NBS)" von BMBF und BMUB. Im Rahmen der
Förderinitiative werden Projekte finanziert, die anwendungsorientierte
Strategien und beispielhafte Maßnahmenkonzepte zum Schutz und zur
nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt entwickeln. Strategisches
Ziel der beiden Bundesministerien ist es, Forschung und Umsetzung in
lösungsorientierten Verbundprojekten eng miteinander zu verzahnen. Das
BMBF finanziert aus Mitteln des Forschungsrahmenprogramms "Forschung für
nachhaltige Entwicklung (FONA)" hierbei Teilprojekte, in denen die
Forschungsfragen des Projektes bearbeitet werden, und das BfN fördert mit
Mitteln des BMUB aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Teilprojekte, die sich den Umsetzungsmaßnahmen widmen. Neben dem groß
angelegten Artenschutzprojekt für die Perlmuscheln werden über die
F&U-NBS Förderinitiative weitere Verbundprojekte zum Schutz der
biologischen Vielfalt gefördert. Die Themen der Projekte sind so
vielfältig wie die Ziele der Nationalen Strategie für Biologische
Vielfalt.

Das Gesamtfinanzvolumen des Projektes liegt bei 6,1 Millionen Euro. Die
Bundesmittelfördersumme von BMUB und BMBF liegt bei rund 5,3 Millionen
Euro.

Weitere Informationen zum Projekt unter:

http://www.nbs-forschung-umsetzung.de/285.php

http://www.biologischevielfalt.de/bp_projekte_laufend.html

Diese Pressemitteilung finden Sie auch unter:
http://www.bfn.de/0401_pm.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=5681


Hrsg: Bundesamt für Naturschutz
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