Donnerstag, 22. Januar 2015

BfN Pressemitteilung

BfN Pressemitteilung

Berlin, 22. Januar 2015: Nach mehr als drei Jahren intensiver Arbeit im
Projekt Wildkatzensprung haben das Bundesamt für Naturschutz (BfN), der
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung (SGN) heute die Ergebnisse der neuen
Gendatenbank zur Europäischen Wildkatze in Deutschland vorgestellt.
Entstanden ist unter der Projektleitung des BUND eine weltweit
einzigartige Datenbasis zu einer gefährdeten Art. Sie liefert wertvolle
Erkenntnisse für den Natur- und Artenschutz und stellt einen
Wissensschatz für Menschen im Naturschutz, in Forschung und in der
Politik dar. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische
Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert und vom BfN
fachlich betreut.

Besonders viele Wildkatzen-Populationen konnten in den großen
Waldgebieten im Westen, vor allem in Eifel und Hunsrück, sowie im
Leine-Weser-Bergland, Harz und Hainich nachgewiesen werden. Dies zeigt,
dass sich die Bestände in diesen Kerngebieten der Wildkatzenbestände in
den letzten Jahren gut erholt haben, nachdem sie durch Jagd und deutliche
Verkleinerung ihres Lebensraums, naturnahen Wäldern, nahezu verschwunden
waren. Dennoch sind viele für die Wildkatze geeignete Wälder im Süden und
Osten Deutschlands noch nicht wieder von ihr besiedelt. Zudem konnten
deutliche genetische Unterschiede zwischen den Beständen einzelner
Regionen nachgewiesen werden. Damit liegen durch das Gendatenbank-Projekt
erstmals wissenschaftliche Hinweise auf Ausbreitungsbarrieren vor, die
die Wildkatzen nicht überwinden können.

"Das Förderprojekt Wildkatzensprung mit seiner neuen Gendatenbank
unterstützt im hohen Maße die Bundesstrategie zum Erhalt der biologischen
Vielfalt", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. "Es ist einzigartig,
denn wir erhalten hier bundesweit das erste Mal solch umfangreiche
genetische Informationen über eine bedrohte Säugetierart. Mit dem Wissen
zur genetischen Struktur und zum Wanderverhalten der Wildkatze können wir
unsere Aktivitäten zur Vernetzung von Lebensräumen und zur Umsetzung der
nationalen Biodiversitätsstrategie noch effektiver gestalten", so Jessel.

"Die Gendatenbank ist ein wegweisender Erfolg. Natur- und Artenschutz
können langfristig nur gelingen, wenn Gesellschaft, Politik und
Wissenschaft zusammenarbeiten und dabei auch die vielen Ehrenamtlichen
beteiligt werden, die sich für die Wildkatze und den Naturschutz in
Deutschland stark machen", betonte Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des
BUND.

"Für die Biodiversitätsforschung ist die Datenbank ein einzigartiger
Meilenstein. Bislang konnte über die Barrieren, die die Ausbreitung von
Tierarten verhindern, nur spekuliert werden. Jetzt haben wir eine
Datenbasis, mit der wir erstmals fundierte Aussagen zu dem Bestand und
den Wanderungen der Wildkatzen in Deutschland machen können", sagte Prof.
Volker Mosbrugger, Generaldirektor der SGN.

Der Erfolg der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Naturschutz findet
sich in den Zahlen der Datenbank wieder: Rund 3.000 gesammelte Haarproben
wurden bereits analysiert. Darüber gelang der Nachweis von 519 einzelnen
Wildkatzen - eine beachtliche Bilanz, die für die Qualität der Arbeit der
rund 600 Ehrenamtlichen spricht, die die Haarproben sammelten. In
sämtlichen Regionen, in denen Wildkatzen vorkommen, wurden seit 2011
sogenannte Lockstöcke aufgestellt. Dies sind mit Baldrian besprühte
Holzlatten, deren Duft die Wildkatzen insbesondere in der Paarungszeit
anzieht. Sie reiben sich am Holz und hinterlassen dabei Haare, die von
den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gesammelt und zur Analyse an
die Senckenberg Forschungsstation in Gelnhausen weitergeleitet werden.
Die Datenbank ist damit auch Ergebnis eines bis dato einzigartigen
"Citizen Science - Forschungsprojekts" zum Schutz der Biologischen
Vielfalt mit Beteiligung hunderter Freiwilliger.

Ausgehend von den Erkenntnissen der Datenbank kann die Wiedervernetzung
von Wäldern und anderen Lebensräumen künftig noch gezielter
vorangetrieben werden. Im Rahmen des Projekts "Wildkatzensprung" werden
in sechs Bundesländern Waldverbindungen als Pilotprojekte gepflanzt oder
Wirtschaftswälder aufgewertet. Mit grünen Korridoren aus Bäumen und
Büschen werden dabei Wälder, in denen die Wildkatze heimisch ist, mit
wildkatzenleeren Wäldern verbunden, so dass sich die Europäische
Wildkatze wieder ausbreiten kann.

Die Wildkatze gehört zu den sogenannten Leitarten für den Schutz der
Artenvielfalt in Wäldern. Wenn sich die Wildkatze ausbreiten kann und
wieder einen festen Platz in den Wäldern findet, ist dies ein besonderer
Erfolg des Naturschutzes.

Hintergrundinformation: Das Projekt "Wildkatzensprung" wird seit 2011 und
bis 2017 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das
Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Weitere Informationen
zum Projekt finden Sie unter www.bund.net/wildkatzensprung und
www.biologischevielfalt.de/bp_pj_wildkatzensprung.html.

Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos, © siehe Fotobeschreibung

Pressekontakt:
Jenny Therese Kupfer, Medienkoordination BUND "Wildkatzensprung", Tel.
030 275 86-544,  jenny.kupfer@bund.net

Franz August Emde, BfN-Pressesprecher, Tel. 0228  8491-4444,
presse@bfn.de

Diese Pressemitteilung finden Sie auch unter:
http://www.bfn.de/0401_pm.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=5325


Hrsg: Bundesamt für Naturschutz
Referat Presse/Öffentlichkeitsarbeit
Konstantinstraße 110
53179 Bonn
Fon: 0228/8491 - 4444
Fax: 0228/8491 - 1039
presse@bfn.de
www.bfn.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen