Samstag, 27. Dezember 2014

Leserbrief

Sabine Macht Josefihäuser 4 94566 Riedlhütte Tel. 08553-6007 sabine.macht@online.de





An den

Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

Herrn Christian Schmidt

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

11055 Berlin



Spiegelau, 27.Dezember 2014

Konventionelle „Nutztierhaltung“



Sehr geehrter Herr Minister Schmidt,

geradezu mit Rührung habe ich soeben eine Nachrichtenmeldung im Radio vernommen, wonach
laut einer Erhebung Ihres Ministeriums sehr viele Bundesbürger bereit sind, mehr Geld für
Lebensmittel auszugeben, um dadurch u. a. eine artgerechte Tierhaltung zu fördern. Dies bestärkt
und bekräftigt mich wieder einmal in meinem Empfinden und motiviert mich umso mehr, mein
Anliegen vorzubringen. Ich habe es in ähnlicher Form auch schon an Ihre Vorgängerin und an diverse
Politiker gerichtet - leider meist ohne Reaktion.

Seit vielen Jahren belastet mich das Wissen um die teilweise grausamen Zustände in der
konventionellen Haltung unserer sog. Nutztiere, besonders - aber nicht nur - in Massentierhaltung.
Die Tiere werden oft nicht nur nicht artgerecht, sondern in den „effizienzmaximierten“ Abläufen der
Mast und Schlachtung auch noch absolut entwürdigend und lebensverachtend behandelt und zur
Ware, zum puren Produkt, degradiert.

Man könnte unendlich viele Beispiele anführen, z. B. die industrielle „Entsorgung“ lebendiger
männlicher Küken wie Müll auf Fließbändern, z. B. die Haltung von Muttersauen als bloße
Gebärmaschinen auf engstem Raum (bis vor kurzem sogar in einer Art Käfig, wie ich in „Unser Land“
im BR vor einigen Monaten sah), z. B. die quasi im rechtsfreien Raum stattfindende Mast von
Hühnern und Puten, z. B. die immer wieder vorkommende Schlachtung trächtiger Milchkühe - die
Kälber ersticken qualvoll, während ihre Mutter am Fleischerhaken ausblutet, im Schlachthof liegen
dann die toten ungeborenen Kälber auf dem Boden herum -, z. B. die Anbindehaltung von
Milchkühen, die bei kleineren konventionellen Landwirten zum Teil noch gängig ist usw.

Der brutale Umgang mit all diesen Tieren und deren Haltung in geschlossenen Räumen auf engstem
Raum ohne Zugang zu Wiesen, zu ausreichend Bewegung, zu artgerechten Verhaltensweisen wie
Graben, Scharren, Baden etc. ist für einen fühlenden Menschen wie mich schlicht unerträglich und
muss auch für die dafür verantwortliche Politik untragbar sein!




Und: Ein lebenslanges Martyrium für die Tiere kann kein gesundes Lebensmittel hervorbringen.

Die Tierwohl-Initiative des BMEL, von der ich auf Ihrer Website erfuhr, finde ich sehr ermutigend und
hoffe, sie wird europaweit ausgedehnt und findet konkreten Niederschlag in den Gesetzen und
Verordnungen, die die Haltungsbedingungen für Tiere regeln. Man konnte sich nämlich in den letzten
Jahrzehnten auch angesichts der einseitigen Subventionspolitik der EU des Eindrucks nicht erwehren,
dass die Politik total der Fleisch-Großindustrie, der industriellen Agrarindustrie und ihren Lobbyisten
unterworfen ist und keine Gesetzgebungsgewalt mehr hat.

Ich wünsche mir schon in naher Zukunft ein Deutschland und Europa, in dem man guten Gewissens
tierische Produkte kaufen kann, weil man weiß, dass sie allesamt und ausschließlich von nicht
gequälten Tieren aus artgerechter Haltung stammen. Dies sollte eigentlich Selbstverständlichkeit
sein!

Wenn Fleisch und tierische Produkte per Gesetz nur noch ausschließlich (kontrollierte) Bioqualität
haben dürften und etwas teurer wären, wenn also „Bio“ (= das Normale, da Natürliche)
vorgeschriebener Standard wäre, hätte dies einen Wandel in den Verzehrgewohnheiten der
Bevölkerung zur Folge, weg vom übermäßigen (Billig-)Fleischkonsum, weg von Billigmilch, von
Billigeiern usw. – was neben den deutlichen Verbesserungen für die Tiere auch klimaschonende,
umweltschonende (Bodenschutz, weniger Gülle, weniger Überdüngung, weniger Antibiotika usw.)
und damit nicht zuletzt volksgesundheitsfördernde und „menschenschützende“ Effekte hätte. Dies
sollte politisch nur zu begrüßen und gewollt sein und ist, womit ich auf meine Eingangszeilen
zurückkomme, auch der große Wunsch vieler Bürger.

 Zur Untermauerung möchte ich abschließend noch die aktuelle Petition der Studentin Tabea Matt
gegen die Erweiterung des Putenschlachthofs Ampfing im Landkreis Mühldorf erwähnen, die binnen
weniger Tage fast 50 000 Unterschriften via change.org sammeln konnte. Dies ließ aufhören und ging
auch durch die Presse. Die unzähligen entrüsteten und betroffenen Kommentare der Unterzeichner
(auf der Petitionsseite bei change.org im Internet), deren Lektüre ich Ihnen hiermit wärmstens ans
Herz legen möchte, zeigen, dass alle nur eins wollen:

Das Ende der Tierquälerei in der Massentierhaltung!

Ich bitte Sie um Ihren Einsatz und um schnelle Hilfe für all die geschundenen Lebewesen.



Mit Dank für Ihr bisheriges Engagement, das Hoffnung macht,

und mit freundlichen Grüßen


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